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Headshaking beim Pferd wird seit mehr als 200 Jahren erforscht

Aufzeichnungen belegen, daß bereits vor 200 Jahren das Headshaking beim Pferd bekannt war. Fast genauso lange wird es erforscht. Gerade das idiopathisches Headshaking stellt die Forschung vor viele Rätsel.

An verschiedenen Universitäten weltweit wird das Headshaking erforscht, Theorien getestet und neue entwickelt. Tierärzte kommen auf nationaler und internationaler Ebene zusammen, um die Ursachen und Behandlungsmethoden zu diskutieren, und um Erfahrungen auszutauschen. Weitere neuralgische Störungen werden dem Headshaking zugeschrieben und auch abgeleitet.

Headshaking kann durch eine Vielzahl von medizinischen Problemen verursacht werden.
Die häufigste und am besten erforschte Ursache ist jedoch Trigeminusneuralgie, eine neurologische Erkrankung, die sich auf den Trigeminusnerven des Pferdes auswirkt, indem es Fehlpimulse abfeuert. Das somatosensorisch evozierte Potentiale wurde getestet und liegt bei gesunden Pferden bei 10mA, während betroffene Pferde ein Ergebnis von 5mA aufweisen.
Somatosensorisch evozierte Potentiale, kurz SEP oder SSEP, sind Messungen der elektrischen Aktivität schnell leitender sensibler Nervenfasern in ihrem Verlauf. Diese Untersuchungsmethode der Differentialdiagnostik neurologischer Störungen ermöglicht eine nichtinvasive Überprüfung des somatosensorischen Systems.

Untersuchungen zeigten, daß der infraorbitale Nervenast (Oberkieferast) des Trigeminus betroffener Pferde sensibilisiert ist und im Vergleich zu nicht betroffenen Pferden eine erhöhte Reizschwelle aufweist. Der Nervus infraorbitalis ist ein Nerv, der weite Bereiche des menschlichen und tierischen Gesichts versorgt. Er gehört als einer der Endäste zum V. Hirnnerv, dem Nervus trigeminus. Dieser Ast hat daher eine niedrigere Zündschwelle und kann durch verschiedene, auch geringfügige Reize ausgelöst werden. Aber einige saisonal betroffene Pferde schienen eine normale Schwelle zu haben, wenn sie außerhalb der Saison getestet wurden.

Der Oberkieferast des Trigeminusnervs spielt eine wichtige Rolle bei der Gesichtsempfindung, wodurch das Pferd starke Schmerzen im Gesicht und im Maulbereich verspürt. Es wurde unterschieden, dass es keinen Unterschied in der Beteiligung des linken oder rechten Astes des Trigeminusnervs gibt. Der Schmerz des Pferdes äußert sich in seinem obsessiven Kopfschütteln und Ausweichverhalten. Dieser Zustand ist als "trigeminal-vermitteltes Headshaking" oder "Gesichtsschmerzsyndrom" bekannt.

Headshaking tritt am häufigsten bei Pferden älter als 6 Jahre auf
Headshaking betrifft eine breite Altersspanne, aber die Mehrheit der Pferde entwickelt das Verhalten nach Erreichen der Reife, normalerweise zwischen 6 und 10 Jahren. Ein größerer Prozentsatz von Wallachen scheint im Vergleich zu Stuten und Hengsten von der Erkrankung betroffen zu sein.
In einigen Studien wurde festgestellt, dass bis zu 90% der Headshaker Wallache waren. Es wird angenommen, dass Wallache anfälliger für Headshaking sind, da sie kein Testosteron-Feedback haben, daher werden die Gonadotropine des Wallachs während des Frühlings, wenn Pferde sich normalerweise paaren, unglaublich erhöht sein. Die Gonadotropine verändern die Empfindlichkeit des Trigeminusnervs, wodurch er instabil und anfälliger für Reize wird.

Mittlerweile wurden über 70 Ursachen!! für das HS festgelegt, die bekanntesten sind nachfolgend aufgeführt.

- Ohrmilben
Diese Milbe ist ein kleiner 8-beiniger Parasit, mit dem lat. Namen 'Otodectes'. Alle nicht im Wasser lebenden Säuger können infiziert werden. Diese Milbe hat Haare auf dem gesamten Körper und wenn sie sich bewegt kitzelt es; dieses führt zum Scheuern, welches wiederum Infektionen bis hin zur Perforation des Trommelfelles zur Folge haben kann und das letztendlich vermag die Trigeminus Neuralgie auszulösen.
- Kiefer, Zahn und Mundhöhlenprobleme
Scharfe Kanten an den Zähnen, stumpfe Verletzungen am Unterkiefer, Zysten im Kiefer, etc
- Veränderungen im Auge
Frei bewegliche Traubenkörner an der Iris des Auges, Wucherungen der Pars caeca retinae im Bereich des Pupillarrandes, Periodische Augenentzündung ua.
- Otitis media & interna
Otitis Interna: Ohrenerkrankungen des inneren Ohres, auch Labyrinthitis genannt.
Otitis Media: Ohrenerkrankungen des mittleren Ohres, auch Tympanitis genannt.
- Saisonale allergische Rhinitis
Der "Heuschnupfen" gehört, wie das allergische Asthma, zu einer Gruppe von Erkrankungen, die auf gleiche Vorgänge im Körper zurückzuführen sind: Ursache ist die Überempfindlichkeit auf verschiedene Umweltstoffe, wie z.B. Blütenpollen.
- Idiopathische Rhinitis
früher gebräuchliche Synonyme: unspezifische nasale Hyperreaktivität', 'Nicht-infektiöse', 'nicht-allergische Rhinitis', 'perenniale nicht-allergische Rhinitis' oder 'vasomotorische Rhinitis'.
Die Ursache dieser Rhinitis ist trotz aller Forschung immer noch ein Rätsel. Mittlerweile ist folgendes bekannt: bei nasaler Hyperreaktivität reagiert die Nasenschleimhaut auf unspezifische Reize, die in der gleichen Intensität vom Gesunden symptomlos vertragen werden, mit Niesen, Juckreiz, nasaler Obstruktion und Hypersekretion.
Die Symptome können einzeln oder in unterschiedlicher Kombination auftreten. Es liegen Beweise vor, dass manche Erkrankten an einer Unausgeglichenheit in der Nervenernährung auf dem Weg zur Nase leiden, welches zu erweiterten Blutgefäßen führt.
- Psammo-Osteoid-Fibrom der Nase und ihrer Nebenhöhlen
Dieser Tumor ist der meistbekannte, gutartige Tumor der Nebenhöhlen, jedoch verursacht er eine Perforation der Wände und kann gegebenenfalls in den Kieferknochen übergehen.
- Durch Trauma herbeigeführte Leiden das craniozervikale System betreffend
Diese Nervenverletzungen im Kopf können durch Schlag, Schusswunden, Schädelbrüche, steten, starken Druck und Überdehnung hervorgerufen werden.
- Nackenwirbelverletzungen und Mitleidenschaft der 31 Spinalnerven Paare
- Veränderungen des Bewegungsapparates
- Schmerzen im muskoskelettalen Apparat
Rückenschmerzen mit und ohne Reiter während der Arbeit
- Hyperadaptose der Adrenalindrüse.
- Pilzinfektion des Luftsackes = guttural pouch mycosis.
Die allgemeinen Anzeichen sind Bluten aus der Nase, jedoch nicht mit dem "Bleeding" der Rennpferde zu vergleichen.
Diese Infektion hat zur Folge, daß in den meisten Fällen die Wände der 'inneren carotiden Arterie" perforiert wird. Wenn örtliche Nerven dadurch verletzt werden, haben die meisten Pferde Schwierigkeiten beim Schlucken (dysphagia)
- Partielle Asphyxia
wird durch Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr hervorgerufen, am häufigsten durch eine Veränderung des oberen Atmungapperates. Anhaltende Asphyxia kann zur Gehirnschädigung, wenn nicht zum Tode führen.
- Optische Trigeminus Veränderung (Photisches Headshaking - Lichtinduziertes Headshaking)
Die Theorie des Photic Headshaking beinhaltet, daß die optischen und die Trigeminus Nerven sich im Mittelteil des Gehirnes miteinander verbinden. Eine neurologische Erkrankung, auch beim Menschen bekannt "Photic Sneeze Effect" oder "Sonnenallergie"; die Nasenschleimhaut schwillt an, die Blutgefäße Nasenschleimhaut erweitern sich. Es sind die erweiterten Blutgefäße, die den eigentlichen Niesreflex auslösen
- Infraorbitale Neuritis
Infraorbital: Öffnung an der Vorderfläche der Maxilla (Oberkieferknochen) unterhalb der Orbita durch die der Nervus infraorbitalis (aus Foramen stylomastoideum), eine kleine Begleitvene und Arterie treten.
Diese Neuritis ist das Resultat einer Entzündung innerhalb des Nerven durch Trauma, bakterielle u/o virale Infektion, oder Gifte ausgelöst.
- Temporomandibulare Dysfunktion (TMD)
Das Temporomandibular Gelenk ist das Gelenk, daß die Kieferbewegung erlaubt. Fehlstellungen und Fehlfunktionen der Unterkiefergelenke können zum einen durch Fehlfunktionen der Rumpfmuskulatur bedingt sein, zum anderen aber auch diese nach sich ziehen.
- Virale Erkrankungen können eine Entwicklung der Neuralgie unterstützen
- Bakterielle Erkrankungen wie zB Borreliose
- EPM (equine protozoal myeloencephalitis)
Die Erkrankung wird durch den Apicomplexan-Parasiten Sarcocystis neurona verursacht und betrifft das Zentralnervensystem von Pferden
- Mykosen - zB.
Mykosen sind Infektionskrankheiten, die durch verschiedene Pilzarten hervorgerufen werden. Z.B. eine Kryptokokkose, darunter versteht man eine Infektion mit dem bekapselten Pilz Cryptococcus neoformans, die vor allem als opportunistische Infektion bei immunsupprimierten Pferden auftreten kann.
- Umweltverschmutzung
Obwohl einige es verneinen, auch die Verschmutzung der Umwelt durch Pestizide, Insektizide und Dünger hat Auswirkungen gezeigt. Ein Beispiel: im Jahr 2007 stieg der Verbraucher Verzehr an Cerialien (Cornflakes, Müsli, Müsliriegel) in Frankreich. Kurz darauf stieg auch die Zahl der an Trigeminus Neuralgie erkrankten Personen sprunghaft an. Man fand heraus, dass diese Person wesentlich mehr Cerialien verzehrten, als in den Jahrzehnten zuvor!
- Hormonelle Veränderungen
Prof. Dr. Madigan, USA bewies in seiner Forschungsreihe auf Neuseeland 2004/5 das auch durch Kastration HS ausgelöst werden kann.
- Veränderungen der Elektrolyte und pH Werte im Blut.
Es ist bekannt, daß Veränderungen der Blutbestandteile (pH, Elektrolyte) Nervenschmerzen beeinflussen. Um dies genauer zu untersuchen, wurden drei verschiedene Flüssigkeiten mit unterschiedlichen pH-Werten und Elektrolyten in die Vene von Pferden verabreicht, die von Trigeminus-vermitteltem Headshaking betroffen waren. Die intravenöse Injektion von hypertoner Natriumbicarbonatlösung erzeugte einige vorteilhafte, aber kurzlebige Wirkungen. Die Autoren folgerten: „Weitere Untersuchungen zu Veränderungen der Elektrolyte, die die Nervenfeuerung beeinflussen könnten, sollten untersucht werden.“ Shara A. Sheldon et al. 2018




 


 

 

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